Rheumatologische Praxis am Feuersee, Dr. Weidner, Dr. Engel
Feuersee Stuttgart West

Liebe Patientinnen, liebe Patienten,

Leider bestimmt die Coronavirus-Pandemie und deren Auswirkungen immer noch große Teile unseres Lebens. Wir wollen Sie als unsere Rheumapatienten dazu auf unserer Internet-Seite auch weiter auf dem aktuellen Stand halten, auf dieser Seite wie bereits seit langem zum Thema Impfung.

Inzwischen sind über 60% aller Bundesbürger zweimal gegen das Virus geimpft, darunter auch ein sehr großer Teil unserer Rheumapatienten. In den vergangenen Monaten haben auch wir uns mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten erfolgreich an der Impfkampagne beteiligt.

Der Anteil der geimpften Menschen ist allerdings noch zu gering, um die Bevölkerung als Gesamtheit zu schützen und die wieder steigenden Infektionszahlen bedeuten für jeden einzelnen Ungeimpften eine große Gefahr. Unter den Neuinfizierten sind fast ausschließlich Ungeimpfte, gut sichtbar an den Krankenhauseinweisungen und den steigenden Zahlen auf den Intensivstationen.

Wir raten also jedem Einzelnen von Ihnen, die oder der noch nicht geimpft ist:

Lassen Sie sich unbedingt impfen!

Stand 16.11.21 sind jetzt fast 3,2 Milliarden Menschen weltweit geimpft, die zur Verfügung stehenden Impfstoffe sind somit mehr als gut getestet und sicher. Die oft getroffene Aussage, die Impfstoffe seien nicht ausreichend untersucht, ist somit im Kern grundlegend falsch. Entscheidend für gesundheitlich bedenkliche Nebenwirkungen ist nicht eine bestimmte Zeitdauer der Anwendung, sondern der Einsatz in einer großen Population.

Die bisher bei den Impfungen eingesetzten mRNA-Impfstoffe haben sich als sehr sicher erwiesen. Die nach der Impfung häufig registrierten und individuell unterschiedlich ausfallenden Symptome sind lediglich unbedenkliche Reaktionen des Immunsystems. Andere Nebenwirkungen wie beispielsweise die Herzmuskelentzündung (Myokarditis) traten nur vereinzelt auf und waren nahezu ausnahmslos gut beherrschbar. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das Impfnebenwirkungen in Deutschland beobachtet und einordnet, sieht keine Bedenken und bewertet das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Impfstoffe aufgrund der geringen Anzahl der Fälle weiter positiv.

Aufgrund der hohen Wirksamkeit und des geringen Risikos wurde dem Impfstoff der Firma BioNTech inzwischen eine sogenannte Vollzulassung erteilt (diese ersetzt die zu Beginn der Markteinführung vergebene Notfallzulassung).

Allen Impfskeptikern oder diejenigen, die noch „abwarten“ wollen, weil sie Bedenken vor „Spätfolgen des Impfstoffs“ haben, kann folgendes Video empfohlen werden:

Video: Späte Nebenwirkungen durch Corona-Impfungen?

Demgegenüber steht die Infektion mit SARS-CoV-2, deren Schweregrad in der Akutphase nicht vorher bestimmbar und sich auch durch lebensstilverändernde Maßnahme im Vorfeld nicht beeinflussen lässt. Darüber hinaus kann nicht oft genug betont werden, dass es sich bei COVID-19 nicht um eine Erkrankung der Atemwege handelt, sondern um eine Systemerkrankung, die den ganzen Körper infiziert und schädigen kann.

In dieser Hinsicht gibt es Untersuchungen, dass nach einer Infektion mit SARS-CoV-2

  • jeder Dritte, im Krankenhaus behandelte Patient, dauerhafte Organschäden aufweist, bei Patienten, die auf einer Intensivstation versorgt werden mussten, ist es sogar jeder Zweite!
  • die Zellen des Immunsystems, die unsere Immunabwehr aufrechterhalten, noch lange Zeit beeinflusst sind und somit die Infektanfälligkeit gesteigert sein könnte
  • Alterungsprozesse der Zellen durch das Virus beschleunigt werden
  • selbst bei einem leichten Verlauf andere schwere Erkrankungen nach der Infektion drohen, wie z.B. Long-COVID oder andere postvirale Erkrankungen: In der Literatur gibt es zahlreiche Hinweise auf Neumanifestation von Autoimmunerkrankungen, z.B. Rheumaerkrankungen oder neurologische Erkrankungen.

Schädigungen dieser Art sind von gewöhnlichen Viren, die sonst typische Atemwegserkrankungen verursachen, nicht bekannt: Bei SARS-CoV-2 handelt es sich somit um einen Erreger von besonderer Gefährlichkeit - ein Virus das, man unter keinen Umständen im Körper haben möchte!

Die Impfung schützt wirksam vor schweren Verläufen und auch vor der Infektion: In einer britischen Studie konnte gezeigt werden, dass das Risiko einer tatsächlichen Infektion bei Geimpften zu etwa 2/3 niedriger ist, als bei Ungeimpften. Die Geimpften werden das Virus auch schneller los, als Ungeimpfte. Wissenschaftler schließen daraus, dass die Wahrscheinlichkeit, sich bei einer geimpften Person zu infizieren demnach deutlich niedriger ist.

Also: Lassen Sie sich unbedingt impfen!

Nachfolgend möchten wir noch gesondert Ihre drängenden Fragen zur Coronavirus-Impfung beantworten:

Kann ich mich als Rheumapatient gegen das Coronavirus impfen lassen?

Alle zugelassenen und verfügbaren Impfstoffe sind nach aktuellem Kenntnisstand sicher und gut wirksam. Viele Studien weltweit haben seit Einsatz der Impfstoffe bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen gezeigt:

  • Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen entwickeln eine Impfantwort, die meist in Quantität und Qualität mit der von gesunden Personen vergleichbar ist.
  • Dieser Impfschutz ist nach aktuellem Kenntnisstand genauso lange anhaltend wie bei Personen ohne entzündlich-rheumatische Erkrankung. Dies trifft zu für die entzündlich-rheumatischen Erkrankung an sich (bei Patienten ohne Therapie), aber auch bei einer Behandlung mit den üblicherweise eingesetzten Medikamenten.

Fazit: Das Immunsystem von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (mit oder ohne Therapie) ist nicht funktionell beeinträchtigt, sodass gegen SARS-CoV-2 geimpfte Patienten durch die Impfungen im gleichen Maße geschützt sind wie gesunde Personen.


Gibt es Gegenanzeigen der Coronavirus-Impfung bei Rheumapatienten?

Abgesehen von bekannten Allergien gegen Impfstoffkomponenten gibt es keine Kontraindikationen für die COVID-19-Impfung für Rheumapatienten. Es können sämtliche verfügbaren Impfstoffe eingesetzt werden, wobei aktuell im Wesentlichen mRNA-Impfstoffe verwendet werden (von BioNTech oder Moderna). Vektorimpfstoffe (von AstraZeneca beziehungsweise Johnson&Johnson) kommen kaum noch zum Einsatz, allenfalls der Impfstoff von Johnson&Johnson.


Muss ich nach abgeschlossener Impfung weiter eine Schutzmaske tragen?

Nach der Coronavirus-Impfung sollten alle Personen weiterhin alle geltenden Abstands-, Hygiene-und Atemschutzmaskengebotsregeln und andere vorbeugende Maßnahmen befolgen. Betont werden muss, dass die Impfung nicht vollständig vor einer Infektion schützt - leichtere Verläufe sind durchaus möglich. Grundsätzlich sollte in geschlossenen Räumen mit schlechter Belüftung immer eine Maske mit vollständiger Bedeckung der Nase getragen werden, am besten eine FFP2-Maske!


Mir wurde geraten, meine Therapie während der Impfphase zu pausieren – ist das richtig?

Da ein gewisses Risiko einer Reaktivierung der rheumatischen Erkrankung nach Absetzen der Medikamente besteht, wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht empfohlen, eine bestehende wirksame Therapie wegen einer Impfung zu verändern.

Als Ausnahme gilt hier die Gabe von langwirksamen, sogenannten B-Zell-depletierenden Substanzen (Rituximab - Mabthera®). Bei dieser Behandlung sollte vor der Impfung unbedingt mit dem Rheumatologen gesprochen werden.

Ansonsten empfehlen wir Ihnen, die Behandlung ununterbrochen fortzusetzen, auch wenn Ihnen im Impfzentrum oder vom Hausarzt eine andere Empfehlung gegeben wird z.B. damit die Impfung „überhaupt wirkt“. Hier ist vor allem folgende Überlegung wichtig: eine Pause von z.B. MTX für 1-2 Wochen verbessert die Impfantwort nicht, hierzu müsste eine längere Pause über mehrere Wochen erfolgen. Bei manchen Rheumapatienten reicht das aber schon aus, um einen Schub auszulösen. Von anderen Impfungen wissen wir dagegen, dass das Impfansprechen von Rheumapatienten (bei ununterbrochener Einnahme der Rheumatherapie) der Impfantwort von Personen ohne Behandlung entspricht oder fast gleichwertig ist.

Also: Setzen Sie Ihre Therapie ohne Pause fort.


Soll ich nach abgeschlossener Impfung einen Antikörpertest durchführen lassen, um den Impferfolg zu überprüfen?

Derzeit wird aus verschiedenen Gründen davon abgeraten, eine Antikörper-Bestimmung durchzuführen:

  • Es existieren Tests viele Hersteller. Es ist nicht bekannt, wie spezifisch diese auf das Spike-Protein des aktuellen Coronavirus (SARS-CoV-2) reagieren. Das heißt im ungünstigsten Fall werden auch Antikörper gemessen, die im Rahmen einer früheren Infektion mit anderen Coronaviren gebildet wurden.
  • Es ist nicht bekannt, in welcher Höhe das Testergebnis liegen muss. Die durchführenden Labors geben keine Bereiche hierfür an. Es wurde bisher nicht untersucht, ob bei Geimpften mit einem hohen Testergebnis weniger Infektionen/weniger schwere Verläufe der Infektion auftreten, als bei Geimpften mit einem niedrigen Wert. Ein tatsächlicher Unterschied ist allerdings auch nicht zu erwarten. Ob überhaupt spezifische Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet werden, würde sich nur dadurch klären lassen, wenn vor der Impfung und nach zwei Impfungen jeweils ein Antikörpertest im gleichen Labor durchgeführt wird.
  • Auf eine Impfung werden verschiedene Bereiche/Systeme des Immunsystems angeregt, um gegen eine tatsächliche Infektion mit unterschiedlichen Maßnahmen schlagkräftig zu reagieren. Insofern lässt sich der Infektionsschutz nach einer Impfung nicht allein auf die gebildete Zahl von Antikörpern reduzieren. So hat sich bei einer Behandlung mit dem oben genannten Rituximab, bei dem die antikörperbildenden Zellen (B-Zellen) zum Ziel der Therapie zerstört werden folgendes gezeigt: Wenn die Patienten dann keine oder kaum Antikörperbildung aufweisen, ist die sogenannte T-zellvermittelte Immunität, die ebenfalls als hoch wirksam zur Infektabwehr betrachtet wird sehr ausgeprägt. Die gemessenen Werte liegen sogar höher als bei anderen Patienten, die nicht diese Therapie erhalten haben.

Brauche ich eine Auffrischimpfung/„Booster-Impfung“?

Beeindruckende Daten aus einer Studie zur 3. Impfung zeigen deren hohe Wirksamkeit:

In einer kürzlich in der angesehenen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Studie wurden 728.000 dreifach Geimpfte mit ebenso vielen zweifach Geimpften verglichen (Impfstoff der Firma BioNTech). Die Gruppen wurden dabei so gewählt, dass sie sich von den Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf glichen (mittleres Alter 52 Jahre).

  • In der Gruppe mit Drittimpfung mussten 29 Menschen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden, in der Gruppe der doppelt Geimpften waren es 231. Das entspricht einer Wirksamkeit von über 90% der Drittimpfung gegenüber der zweifachen Impfung. Ähnlich verhielt es sich mit schwerem COVID-19-Verlauf und Todesfällen.
  • In der Gruppe der unter 40-Jährigen sei die Anzahl der schweren Verläufe allerdings so gering gewesen, dass man die Wirksamkeit der Booster-Impfung nicht habe abschätzen können, heißt es in der Studie.

In Anbetracht dieser Daten kommen manche Experten und Impfstoff-Forscher zu dem Schluss, dass für eine vollständige Wirksamkeit der Coronavirus-Impfung wahrscheinlich drei Impfungen notwendig werden (wie auch bei einigen anderen Impfungen). Man sollte daher also besser von einer Booster-Impfung, als von eine Auffrischimpfung sprechen.

Unabhängig von diesen Daten wird von der STIKO eine Drittimpfung für alle Rheumapatienten („Personen mit Immundefizienz“) empfohlen. Dabei wird in Abhängigkeit von der Therapie und der Erkrankung unterschieden, wann die Drittimpfung erfolgen soll. Dies ist in der nachfolgenden Tabelle einsehbar:

  • „Therapien ohne relevante Einschränkung der Impfantwort“ bzw. „Erkrankungen, die von sich aus zu keiner relevanten Einschränkung der Immunantwort führen“ (beide grau hinterlegt) - Drittimpfung wie generell vorgesehen 6 Monate nach den ersten beiden Impfungen.
  • „Therapien mit relevanter Einschränkung der Impfantwort“ (in der Tabelle hellblau hinterlegt) - Drittimpfung bereits 4 Wochen nach der Grundimmunisierung.

Tabelle

Sollten diesbezüglich Unklarheiten bestehen, sprechen Sie uns an.

Weitere Informationen finden Sie in der STIKO-Empfehlung (PDF)
und unter: www.impfen-bw.de


Ansonsten ist unsere Praxis weiterhin geöffnet, die bekannten Hygieneregeln bitten wir zu beachten. Sollten Sie an Symptomen einer grippeähnlichen Erkrankung leiden, bitten wir um Kontaktaufnahme zur Besprechung einer Terminverschiebung.


Ihr Praxisteam
Rheumatologische Schwerpunktpraxis am Feuersee
Dr. Engel und Dr. Weidner

Stand 16.11.2021

 

Rheumatologische Schwerpunktpraxis am Feuersee
Dr. med. Andreas Engel  •  Dr. med. Sven Weidner
Rotebühlstr. 66  •  70178 Stuttgart  •  Tel: (0711) 61 77 66  •  Fax: (0711) 615 39 15  •  info@praxisamfeuersee.de

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